Ökumene – kein Werbeslogan in Friedrichroda

„Wenn ich mit jemandem gesprochen, gegessen und gebetet habe, dann begegne ich ihm anders.“ – unter diesem Motto stand der ökumenische Begegnungstag 2018 in Friedrichroda.

Geschwister und Vertreter der Kirchen und christlichen Organisationen gestalteten und erlebten diesen besonderen Tag, um sich weiter kennenzulernen und weitere Schritte im ökumenischen Miteinander zu gehen.

„Ein gemeinsames Haus“, so hat Gemeindevorsteher Roland Möller, den Begriff Ökumene in seiner Begrüßung einfühlsam beschrieben. “Zwar hat jede Kirche ein eigenes Zimmer, aber viele Bewohnerinnen und Bewohner dieses Hauses besuchen sich gerne gegenseitig oder laden einander ein.“

Ein zu Herzen gehendens gemeinsames Gebet durch einen Zwölfjährigen war ein guter Start in diesen Tag.

Apostel Rolf Wosnitzka, auch als Vertreter der Arbeitsgruppe Kontakte zu Konfessionen und Religionen der Neuapostolischen Kirche International, stellte in seinem Vortrag „Neuapostolische Kirche und Ökumene“ die derzeitige Situation dar und machte hoffnungsvolle Ausblicke auf Weiteres. Es ist wichtig, dass die Neuapostolische Kirche in der Öffentlichkeit als christliche Kirche wahrgenommen wird, die in einer zunehmend säkularisierten Welt zusammen mit anderen Christen ihren Teil zur Ausbreitung des Evangeliums Jesu Christi beiträgt.

Die Zeit zum gemeinsamen Mittagessen wurde genutzt, um miteinander zu reden, sich näher kennenzulernen. Mit kleinen Präsentationsständen konnten sich alle über unsere freunschaftlichen Kontakte zu unseren Mitchristen weiter informieren, Kurzinterviews unterstützten das gegenseitige Kennenlernen.

Mit Spannung wurde die Podiumsdiskussion erwartet. Schließlich war das Thema „Wirtshaussterben, Kirchensterben, was nun?“ ungewohnt und provokativ. Mit den hochkarätigen Teilnehmern Kirchenrätin Charlotte Weber Vorsitzende der ACK in Thüringen, Dr. Anne Rademacher Leiterin des Seelsorgeamtes des Bistums Erfurt der Katholischen Kirche, Pfarrer Dr. Gregor Heidbrink Stellvertretender Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Waltershausen- Ohrdruf und Apostel Rolf Wosnitzka Mitglied der Arbeitsgruppe Kontakte zu Konfessionen und Religionen der Neuapostolischen Kirche International, stellten sich diese souverän den Fragen des Moderators.

Provokante Schreckensszenarien u.a. wie „Christen stehen im Westen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, Kirchen als Kolumbarien für Urnenbegräbnisse, Der Kölner Dom als profaniertes Weltkulturerbe, waren mehr als Situationsdarstellung.

Warum verliert die Kirche an Bedeutung? Liegt das christliche Europa nicht hinter uns, sondern vor uns? Was sind Zukunftsperspektiven der Kirchen?

Fragen die viele Christen, besonders hier in Europa wirklich bewegen.

Die Sprache der Zahlen zeigt eine ständige Abnahme der kirchlich gebundenen Menschen.
Und: Mensch der Kirche sein heißt heute: einsam sein, fremd sein, die Fühlung mit vielen Dingen verloren haben, missverstanden und falsch verstanden werden. Ja, manchmal auch als Spinner hingestellt zu werden. Sind wir jetzt zu einem Missionsland geworden?

Für Menschen die Gott suchen, ist die Kirche immer noch der Hafen, in dem man mit seiner Sehnsucht einlaufen kann. Hier liegt die Stärke der Kirchen. Sie vermitteln die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus, eine Glaubensgemeinschaft, die einen aufnimmt, einen Horizont von Sinn und Leben. so ein Diskussionsteilnehmer. Jedoch hat dieser Wille auch einen großen Widersacher, die Resignation. Und wenn man sich dann erneut motiviert und dann „die Fische ausbleiben“? Was kann ich tun, wenn ich nicht weiß, wann und wie Gott uns in die ausgeworfenen Netze Fische schwimmen lässt?

Wir wollen etwas tun, ohne den Anspruch zu haben, auffällige Ergebnisse zu sehen. Wir wissen nur das Hingabe notwendig ist. Machen wir weiter, geben wir Gott alles, aber lassen wir zu, dass er es ist, der unsere Mühen fruchtbar macht, wie es ihm gefällt.
Das vom Moderator gezeichnete Schreckensszenario, wurde zur Ermutigung und Hoffnung durch die Diskussionsteilnehmer genutzt ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren.

Übereinstimmend kam zum Ausdruck: „Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7). Jesus Christus ist es, der seine Kirche vollendet. Dabei schenkt der Heilige Geist der Kirche Wegweisung. So kann sie offen, angstfrei und vielseitig ihr Leben entwickeln, erproben und gestalten.

Priester Bornack vom Apostelamt Jesu Christi wendete sich im Anschluß, beeindruckt und berührt von diesem Tag, mit abschließenden und verbindenden Worten an die Geschwister, betete mit den Versammelten und sprach Gottes Segen zu. Eine Atmosphäre, dass wir im Hause Christi zusammengehören.

Die Ökumene beginnt bei einem jeden von uns selbst und möchte Antwort auf das Gebet Christi sein: „Damit sie eins seien“ (Johannes 17,21). Sie ist weniger die große theologische Lehre, sie ist vor allem die aufrichtige Gemeinschaftspflege, das gemeinsame Beten, das Singen, das miteinander Sprechen.

Der hl. Augustinus bringt es auf den Punkt:
"Der Stolz verursacht Spaltung, die Nächstenliebe ist die Mutter der Einheit".