Stirb und Werde - Chor- und Instrumentalmusik am Ende und Anfang des Kirchenjahres

Unter diesem Motto erklang am Samstagabend Ende November ein Konzert in der Neuapostolischen Kirche in Schleiz. Ausführende waren der Chor cantamus deo und das Orchester musica visenta unter der Leitung von Stefan Kothner.

In unserer heutigen Gesellschaft spielt das Kalenderjahr eine wichtige Rolle. Feiertage, Ferien, öffentliche und private Termine werden geplant. Seinen Ursprung hat der Kalender in der Natur, in den Jahreszeiten und wiederum daran orientiert sich seit vielen Jahrhunderten  - Das Kirchenjahr. Nach einem immer wiederkehrenden Zyklus feiern wir kirchliche Fest- und Feiertage und eine ganz bedeutende Stelle im Kirchenjahr bildet dabei die Zeit Ende November – die stille Zeit.  Die Natur führt uns die Vergänglichkeit am deutlichsten vor Augen – sie erstirbt. Die Blätter fallen, Blicke werden vom Nebel verhüllt und die Tage scheinen grau und trist. Es ist die Zeit in der sich die Menschen immer wieder mit der Vergänglichkeit des Seins beschäftigen. Die Kirchgemeinden begehen Gedenktage wie Allerseelen (katholisch), Gottesdienst im Gedenken der Entschlafenen (neuapostolisch) oder den Ewigkeitssonntag (evangelisch). Gemeinsam ist allen das Innehalten, Stillstehen und Gedenken. An genau dieser Stelle begann das Konzert. Im ersten Teil des Konzertes erlebten die gut einhundert Zuhörer Musik, die mit besonderen Klangfarben das Ende des Kirchenjahres – die Zeit des Ersterbens – besingt und zum Klingen bringt. Eröffnet wurde das Konzert mit dem Chorsatz „Ubi Caritas et amor deus ibi est“ – „Wo Liebe ist und Güte, da wohnt Gott“ des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Die darauf folgenden Stücke verknüpfen Texte des Barock mit romantisch-moderner Tonsprache. Am Ende des ersten Teils des Konzertes erklang eines der eindrucksvollsten Werke, die in den letzten Jahren komponiert wurden. „The Armed Man – A Mass of Peace“ ist eine Bitte des englischen Komponisten Karl Jenkins um Frieden und Vernunft weltweit, über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg. Der eindrucksvolle Kyrie-Ruf wurde durch ein Christe eleison im Stile Giovanni Palestrinas (1522-1594) unterbrochen, ehe er von Chor und Orchester wiederholt erklang. Das Benedictus war ein Stück voller meditativer Ruhe für Violine solo, Orchester und leisen Chorpassagen, bis es mit donnernden Akkorden zerrissen wurde und erst nach einigen Takten wieder zur Ruhe zurück fand. Das abschließende Agnus Dei brachte das Werk mit festlich-schreitendem Gestus zu Ende.

Nach einem Moment der Stille betraten die Anwesenden das neue Kirchenjahr – die Zeit des Advents. Nach allen grauen und dunklen Tagen werden die Häuser mit Lichtern geschmückt und man erwartet eines der christlichen Hochfeste – das Weihnachtsfest, die Menschwerdung des Gottes Sohnes, Jesus Christus. Die Adventszeit soll uns aufwecken, vorbereiten, neue Hoffnung geben und einstimmen. Hier wurde der zweite Teil des Konzertes mit einem majestätischen Choralvorspiel und dem vom Chor und Orchester musizierten Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ eröffnet. Nach diesem musikalischen Wachrütteln erklang ein Chorsatz des litauischen Komponisten Miskinis Vytautas. Dieses Stück gehört in den Kontext des katholischen Feiertages Maria Empfängnis am 8. Dezember und vertont das Bibelzitat „Herrliches sagt man von dir, Maria. Der Herr hat Großes an dir getan.“ Die darauf folgenden Stücke wollten mit ihrer fröhlichen Tonsprache ein ganz bewusster Gegenpol zum ersten Teil des Konzertes sein. Den Abschluss und Höhepunkt des zweiten Teils bildete das älteste Werk in diesem Konzert und führte die Zuhörer an den Gothaer Fürstenhof um das Jahr 1720. Die „Deutsche Messe“ des dort amtierenden Hofkapellmeisters Gottfried Heinrich Stölzel ist ein Zeugnis der allsonntäglich aufgeführten Kirchenmusik.

Mit minutenlangem Beifall bedankte sich das Publikum am Ende bei den Ausführenden für das gelungene Konzert.